Viele haben es bereits mitbekommen, in den Gewässern vor Italien, nahe der Insel “Giglio”, hat ein Kapitän, Francesco Schettino, sein Schiff auf Grund gesetzt und so eine mittelschwere Katastrophe verursacht. Bisher wurden elf Tote geborgen, etliche werden noch vermisst.

Schon krass, wenn man sich das mal vor Augen hält, wie schnell man, beladen mit einer großen Verantwortung, wirklich viel kaputt machen kann. Wie das so ist, wurde direkt nach dem Unglück (Unglück ist ein unpassendes Wort, da hier eindeutig mehr, als das Fehlen von Glück vorhanden war) erstmal nichts unternommen. Erstmal muss alles heruntergespielt werden, man will ja nicht mehr Schaden anrichten als schon geschehen ist.
Das ist tatsächlich eine sehr verbreitete Vorgehensweise. Gerade bei mir im Bekanntenkreis treffe ich eine Bekannte, die mir erzählt, dass bei einem befreundeten Senioren ein Mundwinkel runterhängt, ein Arm schmerzt und der Blutdruck nicht mehr passt. Eingeweihte (wie meine Bekannte und mir) bemerken hier F-A-S-T und realisieren den Ernst der Situation. Ich fragte also, ob Sie den Notruf verständigt hatte. “Nein, wenn die dann kommen und das doch nichts war, dann steht man ja blöd da”. Aha. Erstmal an sich denken, immer am besten. (Ich habe das dann übernommen, der Mundwinkel hing wegen einem Zahnproblem, dem Senioren geht es gut.)

Worauf ich hinaus will, ich empfinde dieses Verhalten als feige. Wenn ich mich mit einer vielleicht kritischen Situation konfrontiert sehe, z.B. einem verunfallten Auto am Straßenrand, einem auf Grund gelaufenen Schiff, einem evtl. verletzen Menschen oder auch nur einem versauten Projekt auf der Arbeit, muss ich den Mut haben, das Richtige zu tun, auch wenn das für mich, wenn sich der Rauch, das Adrenalin und die Panik verzogen haben, nicht gut aussieht.

Wenn ich versuche, erstmal alle Spuren meines Versagens verschwinden zu lassen, geht Zeit verloren. Gestern hat der 1. Offizier der Costa Concordia gesagt, dass die 40 Minuten, in denen Schettino telefoniert hat, ohne etwas zu unternehmen, gereicht hätte, um das Schiff sicher zu evakuieren. Wenn man gleich richtig gehandelt hätte, wäre das ggf. besser abgelaufen. Man darf nicht unterschätzen, dass der Mann sicher unter Druck stand, aber er war Kapitän, wenn ich Druck nicht standhalte, muss ich Zuckerwatte Verkäufer in der Schokoladenfabrik werden, oder Wattebausch-Flauschigkeits-Spezialist, nicht Fregattenkapitän.

Jetzt hat aber nach 40 Minuten die Crew gemeutert und die Evakuierung eingeleitet. Wer war als einer der Ersten an Land? Schettino. Ich dachte, ein Kapitän geht mit seinem Schiff unter? Würde für mich aus reinem Ehrgefühl schon nicht in Frage kommen. Hinterher am Telefon mit der Küstenwache hat er wohl gesagt, dass er in ein Rettungsboot gefallen ist…das ist natürlich tragisch.

Meiner Meinung nach gibt es zu wenig Idealisten auf der Welt, Leute die Dinge machen, weil sie davon überzeugt sind. Sehr schade.

Ich bin mal gespannt, was nach “Abschluss” der Concordia-Katastrophe unterm Strich herauskommt. Wie viele Leben verloren oder nachhaltig geschädigt sind und wer hinterher als Sündenbock untergehen wird. Tatsache ist, Schettino ist im Arsch, so oder so. Den Ruf als rückgratloser Feigling ist wohl permanent und nicht wasserlöslich.

George